Markus Grasmueck

Interkulturelle Projekte

Sprache verbindet – aber erst der Dialog über Grenzen hinweg macht aus Wörtern wirkliche Begegnung. Im Mittelpunkt meiner pädagogischen Arbeit in Japan stand daher nicht nur der klassische Grammatikunterricht, sondern die Frage: Wie lässt sich DaF-Lernen mit echten zwischenmenschlichen Kontakten verknüpfen?

Das E-Mail-Austauschprojekt: Japan, Finnland und Deutschland

An der Gaigo-Oberschule für Fremdsprachen in Kanagawa initiierte ich ein mehrsprachiges Brieffreundschaftsprojekt, an dem Schülerinnen und Schüler aus drei Ländern gleichzeitig teilnahmen: Japan, Finnland und Deutschland. Die Kommunikation verlief vollständig auf Deutsch – der gemeinsamen Fremdsprache aller Beteiligten.

Die japanischen Lernenden schrieben auf Deutsch an Gleichaltrige in Helsinki und Frankfurt. Die finnischen Schüler antworteten ebenfalls auf Deutsch. So entstand ein echter Austausch, bei dem Deutsch nicht Selbstzweck war, sondern tatsächliches Kommunikationsmittel.

Projektziele

  • Authentische Sprachverwendung: Schülerinnen und Schüler schrieben nicht für die Lehrperson, sondern für reale Gesprächspartner mit eigenen Fragen und Meinungen.
  • Interkulturelle Kompetenz: Der Vergleich japanischer, finnischer und deutscher Alltagskultur eröffnete Perspektiven, die kein Lehrbuch leisten kann.
  • Kritisches Denken: Unterschiede in Schulalltag, Freizeitverhalten und gesellschaftlichen Werten wurden gemeinsam reflektiert und diskutiert.
  • Motivation durch echten Adressaten: Die Aussicht, eine echte Antwort zu erhalten, steigerte die Sorgfalt beim Schreiben merklich.

Ablauf und Methodik

Das Projekt gliederte sich in mehrere Phasen: Zunächst stellten sich die Gruppen in kurzen Vorstellungstexten vor. Anschließend bearbeiteten sie gemeinsam thematische Blöcke – etwa Schule und Ausbildung, Musik und Popkultur, Traditionen und Feiertage. Die Texte wurden im Unterricht besprochen, sprachlich überarbeitet und dann versandt. Eingegangene Antworten dienten wiederum als Ausgangsmaterial für Leseverstehen und Diskussion.

Ergebnisse und Schülerperspektiven

Die Rückmeldungen der Lernenden waren durchweg positiv. Viele berichteten, dass sie durch die Korrespondenz erstmals das Gefühl hatten, Deutsch wirklich zu brauchen – nicht nur für Prüfungen. Besonders die kulturellen Unterschiede zwischen Japan und Finnland überraschten die Schülerinnen und Schüler auf beiden Seiten. Ausgewählte Texte aus dem Projekt sind in der Rubrik Schülertexte dokumentiert.

Für Lehrkräfte: Ähnliche Projekte initiieren

Interkulturelle E-Mail-Projekte lassen sich heute einfacher denn je umsetzen. Wer eine europäische Partnerschule sucht, findet über eTwinning – das Schulnetzwerk der EU eine etablierte Plattform mit tausenden aktiven Schulen. Für didaktische Hintergründe zum interkulturellen Lernen im DaF-Unterricht empfehle ich die Ressourcen des DaF-Netzwerks, Arbeitsgruppe Interkulturelles Lernen.

Projekte dieser Art erfordern organisatorischen Aufwand, zahlen sich aber aus – für die Sprachkompetenz der Lernenden ebenso wie für ihr Verständnis anderer Kulturen und letztlich ihrer eigenen.